Nachgefragt: digital | steuern im Interview mit Prof. Dr. Zinser von der Hochschule Landshut, Leiter der Fachtagung „Digitalisierung – Auswirkungen auf den Berufsstand der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer“

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Die digitale Transformation bietet auch der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsbranche ein enormes Potenzial. Die Hochschule Landshut hat daher im April eine Fachtagung bezüglich der Auswirkungen der Digitalisierung auf den Berufsstand der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer veranstaltet.

digital | steuern Redaktion: Herr Prof. Dr. Zinser, Sie waren federführend für die Veranstaltung an der Fakultät Betriebswirtschaft verantwortlich und haben diese u.a. anlässlich der 40-Jahr-Feier der Hochschule Landshut initiiert.
Welche Eindrücke haben Sie von der Veranstaltung mitgenommen?
Prof. Dr. Zinser: Die Veranstaltung ist sehr gut angekommen. Meines Erachtens hat sie nicht wenige Berufsträger nachdenklich gemacht. Ihnen wurde vor Augen geführt, dass sie sich dem Thema Digitalisierung nicht verschließen können, wenn ihre Kanzlei Zukunft haben soll.

digital | steuern Redaktion: Welchen Stellenwert hat das Thema „Digitalisierung“ für die Lehre und den Steuerberater bzw. Wirtschaftsprüfer?
Prof. Dr. Zinser: Meines Erachtens kommt dies derzeit noch viel zu knapp. Dies ist auch daran erkennbar, dass die Initiative von Frau Prof. Dr. Deborah Schanz (Institut für betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der LMU München) fast schon für Aufsehen gesorgt hat. Ergebnis der Tagung war aber auch, dass einige Berufsträger, die Hochschulabsolventen einstellen, sehr deutlich kommuniziert haben, dass sie „Aktionen“ seitens der Hochschule erwarten. Wir nehmen dies zum Anlass, in wenigen Wochen jene Kanzleien in die Hochschule einzuladen, die am sog. „Dualen Studium Steuern“ mitwirken, damit wir die diesbezüglichen Bedürfnisse der Kanzleiinhaber aufgreifen können. Mein für die Wirtschaftsinformatik zuständiger Kollege, Prof. Dr. Dieter Greipl und Sie von digital | steuern haben sich bereit erklärt erklärt, bei dieser Besprechung anwesend zu sein, damit wir im Nachgang ggf. unsere Ausbildung „nachjustieren“ können.

digital | steuern Redaktion: Welche Auswirkungen auf den Berufsstand der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sind bereits jetzt spürbar? Was können Sie bei Ihren Kollegen heute beobachten?
Prof. Dr. Zinser: Nervosität und eine gewisse Ratlosigkeit, wo die Reise hingeht, wann und welche Aktivitäten vonnöten sind.

digital | steuern Redaktion: Es gibt also Handlungsbedarf. Wo genau und in welcher Form?
Prof. Dr. Zinser: Die jungen Steuerberater werden sich meines Erachtens sehr leichttun, diese Herausforderung anzunehmen. Ich mache derzeit die Erfahrung, dass Hochschulabgänger von ihren Chefs mit der Aufgabe betraut werden, die Kanzleien „zukunftsfähig“ aufzustellen. Soll heißen, der Berufsanfänger wird mit dem Projekt konfrontiert, z.B. unter Hinzuziehung eines Beraters – etwa der DATEV – die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bereits bietet, in die Kanzleien zu tragen.

digital | steuern Redaktion: Was erhoffen Sie sich von der Digitalisierung?
Prof. Dr. Zinser: Bei allen Nachteilen, die die Digitalisierung mit sich bringt – der disruptive Veränderungsprozess; das Brot- und Buttergeschäft wird signifikant an Bedeutung verlieren und das Geschäftsmodell mancher „klassischer“ Steuerberatungskanzlei bedrohen; der „klassische“ Steuerspezialist wird zum Auslaufmodell, er benötigt weitaus mehr IT-Know-how als in der Vergangenheit – eröffnet sie doch die Möglichkeit, sich auf höhermargige, anspruchsvollere und interessantere Beratungsaufgaben zu konzentrieren. Zudem könnte ich mir vorstellen, dass auch die Beratungsleistung als solche „besser“ wird.

digital | steuern Redaktion: Vielen Dank, dass Sie sich kurz Zeit genommen haben. Wir freuen uns auf das baldige Wiedersehen.

 

Stimmen der Studierenden

Natürlich haben wir auch die angehenden Steuerberater, die Studenten, befragt. Fast alle stehen der Digitalisierung positiv gegenüber. Sie sehen diese weniger als Gefahr, sondern freuen sich auf die digitale Zukunft und die damit verbundene Hilfe im Alltag und die Chancen, die die Digitalisierung bietet. Daher bereut es auch keiner, den Beruf des Steuerberaters gewählt zu haben. Dennoch sehen 99% der Befragten Handlungsbedarf, da ihrer Meinung nach in dem alteingesessenen Bildungsplan die Digitalisierung zu kurz kommt.
“Kein Computer kann den Mensch jemals ersetzen” – hier vertritt ein angehender Steuerberater ebenfalls den Standpunkt, dass sich sein Tätigkeitsschwerpunkt zukünftig auf die Beratertätigkeit fokussieren wird.

Nahezu alle Berufsgruppen seien von dem Wandel, den die Digitalisierung mit sich bringt, betroffen. Auszubildende, die den dualen Studiengang gewählt haben, so ist man sich einig, werden sich im Berufsleben schneller zurechtfinden, da sie bereits ein breites Praxiswissen mitbringen.

Den ausführlichen Bericht zur Veranstaltung lesen Sie hier >> zum Artikel

 


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