Der Mitarbeiter der Zukunft - die Eier legende Wollmilchsau?

Der Mitarbeiter der Zukunft - die Eier legende Wollmilchsau?

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Spätestens seit der Frey/Osborne-Studie zur Automatisierbarkeit von Berufen in den USA und den daraus entwickelten Szenarien für Deutschland ist klar, dass sich auch unser Berufsstand verändern muss und wird.

Gibt man im “Job-Futuromat” den Beruf “Steuerfachangestellte(r)” ein, ergibt sich eine 83%ige Möglichkeit zur Automatisierung. Und damit ist die Gegenwart gemeint und nicht etwa die ferne Zukunft.

Die Datev hat ja den Buchungsautomaten mit künstlicher Intelligenz schon angekündigt…

Die ersten tatsächlichen Auswirkungen der Digitalisierung werden also Ihre Mitarbeiter betreffen.

Das Gegenmittel: Weiterentwicklung. Wenn die “einfachen”, automatisierbaren Tätigkeiten insbesondere in der Fibu wegfallen, müssen sich Ihre Mitarbeiter für die höherwertigen Aufgaben qualifizieren.

Aber welche Tätigkeiten werden das sein und vor allem: Wie sieht die Mitarbeiterentwicklung dahin aus?

1. Die “Skills” für die Zukunft

In drei Bereichen soll der Mitarbeiter der Zukunft “fit” sein:

  • Fachliche Fähigkeiten
    Ihre Kanzlei wird immer mehr zur “echten” Beraterkanzlei werden müssen – also weniger Umsatz mit Fibu und Lohn, mehr Umsatz mit Beratung.
    Wenn Sie als Chef nicht der absolute Wissens-Engpass werden wollen, werden Sie Mitarbeiter brauchen, die Ihnen bei Beratungen zumindest zuarbeiten. Kleinere Beratungen müssen zunehmend auch durch Ihre Mitarbeiter selbst durchgeführt werden.
  • Digitale Fähigkeiten
    Geht es heute erst mal in den meisten Kanzleien “nur” um das Verarbeiten gescannter Belege, werden Ihre Kanzlei in der nahen Zukunft immer mehr zur digitalen “Datendrehscheibe” im Bermudadreieck Mandant – Kanzlei – Finanzverwaltung (und anderer externer Partner wie den Banken). Das Stichwort lautet hier: Schnittstellen.
    Die Zusammenarbeit mit internen und externen Partnern wird nicht mehr per Email sondern mittels Social Collaboration Lösungen – also Portalen zum Austausch von Informationen und Daten – gekennzeichnet sein.
  • Persönliche Fähigkeiten in Kommunikation, Selbstorganisation und Verkauf
    Spätestens die Auswirkungen von GoBD und Kassennachschau zeigen uns, dass es mit der Optimierung unserer eigenen Kanzleiprozesse nicht getan ist. Die Prozesse und Daten des Mandanten müssen v o r der Schwelle der Kanzlei in Ordnung sein – dahinter ist das nicht mehr “heilbar”.
    Ihre Mitarbeiter müssen also raus aus der Kanzlei und in den Mandantenbetrieben Prozesse analysieren und verbessern.
    Und: Die Notwendigkeit der Veränderung auch dem Mandaten erklären und ihn motivieren.

Wow – haben Sie schon den ein oder anderen Mitarbeiter, der alles dies kann? Ich kenne tatsächlich eine Hand voll – und nein, ich verrate die Namen nicht. Auch nicht für eine hohe Ablösesumme…. 😉

2. Die perfekte Lösung: Der “Super-Mitarbeiter”

Klar ist: Die jetzige Ausbildung muss dringend überarbeitet werden. Klar ist auch, dass die Fortbildungs- und Softwareanbieter noch mehr Seminare anbieten müssen, in denen genau die oben beschriebenen Skills vermittelt werden.

Klar ist aber aus meiner Sicht auch: Nicht jeder Mitarbeiter kann und will alle aufgezählten Skills lernen und umsetzen.
Wir Steuerberater merken es ja auch schon an uns selbst: Können Sie das alles?

Aktuell läuft in den meisten Kanzleien auch der Endspurt in Sachen Bilanzen und Steuererklärungen für 2016. Die ersten Mandanten stehen mit den Bilanzen 2017 auf der Matte. Und wenn es gut läuft haben Sie zum Jahresanfang neue Mandate hinzugewonnen. Da bleibt die Zeit für die Arbeit “an” der Kanzlei – in diesem Falle an den Mitarbeitern – oft ein frommer Wunsch.

Die Frage ist aber auch, ob alle Mitarbeiter zum Supermitarbeiter werden müssen.
Stellen wir uns die Kanzlei derZukunft doch mal als ein “Shop-in-Shop-System” vor.

Da gibt es die “Fibuabteilung“: Hier arbeiten die “Buchhaltroniker”. Mandantendaten werden digital und effizient verarbeitet.
Eine entsprechende Abteilung gibt es auch für den Lohn und die Einkommensteuererklärung.

Die zweite  Abteilung ist die “Alltagsberatung” – hier arbeiten fachlich hoch qualifizierte Mitarbeiter, die die Daten aus der Deklarationsabteilung auswerten.
Hier passiert das, was ich gern die “kleine” oder Alltagssteuerberatung nenne. Der Mandant erhält hier alles, was er für den laufenden Betrieb braucht – ob neuer Firmenwagen oder GoBD und Kassennachschau. Bis hin zur Betriebsprüfungsprofilaxe.
Es geht also um die Beratung, die eigentlich jeder Mandant immer mal braucht.
Auch betriebswirtschaftliche Themen wie die Liquiditätsplanung oder die Prozessberatung im Mandantenbetrieb werden hier eine immer größere Rolle spielen.

Die dritte Abteilung ist die “Gestaltungsberatung” –  hier geht es um die Beratung von der Gründung, Veränderungen – wie Umwandlung – bis zur Unternehmensnachfolge.
Es geht dabei um Fälle, die nicht bei jedem Unternehmer überhaupt und wahrscheinlich auch nicht mehrmals vorkommen.
Dies ist natürlich Ihre Domäne.

Das ist sicherlich erst einmal eine Vision und Sie werden dieses Abteilungsdenken wahrschscheinlich nicht “mal eben” in Reinkultur umsetzen können.

3. Die Lösung: Langfristige Mitarbeiterentwicklung

Die Auswirkungen der Digitalisierung werden kommen. Schneller als Ihnen vielleicht lieb ist, aber sicher nicht heute und morgen.

Es bleibt also noch etwas Zeit.

Ich empfehle Ihnen daher einen 3 – Jahresplan mit folgenden Schritten:

Schritt 1: Analyse Ihrer heutigen Mitarbeiter in Bezug auf die oben genannten Skills
Welche Ihrer Mitarbeiter sehen Sie in Zukunft in welcher Abteilung?

Schritt 2: Sensibilisierung Ihrer Mitarbeiter für die Auswirkungen der Digitalisierung
Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern Ihr Bild der zukünftigen Kanzlei. Jeder Mitarbeiter sollte selbständig entscheiden können welche Richtung er einschlagen kann.
Machen Sie aber eines klar: Die Alternative, dass alles so bleibt wie bisher, gibt es in Ihrer Kanzlei nicht. Weil es dann auf Dauer Ihre Kanzlei nicht mehr gibt.
Geben Sie Ihren Mitarbeitern aber auch die Perspektive, sich “in Ruhe” und mit Ihrer Unterstützung ändern zu können.

Schritt 3: Fortbildung, Fortbildung, Fortbildung
Gerade hat unsere Regierung beschlossen 3,5% des Bruttoinlandsproduktes für Bildung auszugeben – bis 2025. Zu wenig sagen die Kritiker.
Überlegen Sie sich wieviel Prozent Ihres Umsatzes Sie in den nächsten drei Jahren für die Fortbildung Ihrer Mitarbeiter ausgeben wollen.
Mein Vorschlag: 3,5% sind auch bei Ihnen eher die Untergrenze …

 

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