Ist die Digitalisierung bei der BWA schon angekommen?

Ist die Digitalisierung bei der BWA schon angekommen?

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Für den Unternehmer ist die BWA häufig die wichtigste betriebswirtschaftliche Informationsquelle für sein Unternehmen. Auch die Hausbank liebt die BWA: Denn sie ist leicht verfügbar, preiswert und hilft der Bank die gesetzlichen Anforderungen des § 18 KWG „Überblick über die wirtschaftliche Situation des Bankkunden“ ohne großen Verwaltungsaufwand zu erfüllen.

Der Steuerberater erstellt die BWA mit geringem Aufwand aus den Daten der Finanzbuchhaltung. Aber häufig ohne Erläuterung oder Kommentar.

So erfüllt die BWA aber ihre Aufgabe nur unzulänglich: Denn die mit Knopfdruck aus der Finanzbuchhaltung erzeugte BWA ist nur eine Wiedergabe der unterjährigen Werte. Und wenn niemand sagt wie gebucht wurde, ist ihre Aussagekraft eher fragwürdig.

Zudem zeigt sie lediglich einen Ausschnitt der für ein Unternehmen relevanten Kriterien und sagt nur etwas zur Rentabilität des Unternehmens.

Aber das reicht nicht: Denn Ziel der BWA ist der Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens insgesamt. So soll dem Unternehmer ermöglicht werden, monatlich den Erfolg des Unternehmens zu kontrollieren und auf Fehlentwicklungen zu reagieren.

Digitalisierung: Potenziale für die Qualitäts-BWA

Stufe 1:

Prüfen Sie zunächst, ob Sie mit dem gleichen Datenbestand mehr Informationen generieren können. So könnte die BWA leicht um aussagefähige Kennzahlen ergänzt werden, deren Verständnis Sie dem Unternehmer-Mandanten vermitteln kann.

Stufe 2:

Die BWA kann um Aussagen zur Produktivität und Liquidität des Unternehmens erweitert werden. Das lässt sich mit wenigen Ergänzungen darstellen, setzt aber auch die Abfrage von Bilanzkonten voraus. Das erläutert auch Knief in seinem sehr lesenswerten Artikel „Eine BWA-Mindestanalyse“ (Die steuerliche Betriebsprüfung 01/2017, https://www.StBpdigital.de/StBp.01.2017.021).

Stufe 3:

Einen zusätzlichen Wert bekommt die Aussage der BWA durch einen durchdachten Aufbau mit folgenden für DATEV und andere Softwarehäuser leicht zu realisierenden Änderungen. So werden Überblick und Analysen erleichtert und man weiß gleich, wie gebucht wurde. Verbesserung der Information durch Einfügung folgender zusätzlicher Zeilen im Bereich Wareneinsatz:

  • Gesonderter Ausweis der Bestandsveränderung bei Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen und Waren sowie Ausweis der Fremdunternehmerleistungen
  • Verbesserung von Lesbarkeit und Analyse durch Zusammenfassung von Zinsaufwand, Zins- und Beteiligungserträgen in einer Zeile als FINANZERGEBNIS
  • Verbesserung von Lesbarkeit und Analyse durch Zusammenfassung von außerordentlichem und periodenfremdem Aufwand und Erträgen in einer Zeile als NEUTRALES ERGEBNIS.
  • Verbesserung der Aussage der BWA durch Darstellung der Werte und Kennzahlen in der Zeitreihe: SOLL / IST per Stichtag kumuliert à PLAN / PROGNOSE für das Jahr à und der Vergleich mit den letzten 3 Jahren.

Die Standardauswertung als „All-in-One“-Lösung: Wunsch und Pflicht für die Softwarehersteller

Die oben genannten Auswertungserweiterungen der BWA – auch das ist Digitalisierung – müssen in einer Standardauswertung „All-in-one“ realisiert werden und nicht durch auf mehrere Tools verteilte Lösungen.

So bleibt die BWA wie bisher einfach verfügbar, liefert aber bei gleichen bzw. leicht ergänzten Daten einen deutlich besseren Überblick über die unterjährige Entwicklung des Unternehmens und erfüllt gleichzeitig die Anforderungen an ein einfaches Frühwarnsystem im Unternehmen.

Auch das Haftungsrisiko kann sich so verringern: Die BWA einfach ohne nähere Überprüfung und Interpretation durch den Steuerberater abzurufen und den Mandanten zuzusenden “ist nicht ungefährlich” so Prof. Dr. Harald Ehlers in “Achtung Folgen aus dem leichtfertigen Umgang mit der BWA” (NWB Betriebswirtschaftliche Beratung 9/2016 S. 281) und bei einem umfassenden Beratungsauftrag ist eine solide betriebswirtschaftliche Information des Mandanten Pflicht

Lesen Sie dazu auch: Steltemeier, Leser-Kommentar: Die BWA – eine Mogelpackung?, NWB Betriebswirtschaftliche Beratung 9/2016 S. 286


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2 Responses

  1. Steltemeier ist einer der Wenigen, der erkannt hat, dass die alte BWA ausgelaufen ist. Seine Vorstellung , die “all-in-one-BWA” ist jetzt zum 1.1.2018 da mit der verbesserten “BWA MINDESTANALYSE”, vgl. Homepage http://www.peter-knief.de
    Wie lange noch will der steuerberatende Beruf seiner Klientel intelligente BWA vorenthalten?

    1. Helmut Steltemeier

      Das Thema “BWA” hat wohl mehrere Akteure / “Verantwortliche”:
      Die Unternehmen, die den Nutzen einer fundierten Information für ihr Unternehmen erkennen müssen …
      Der Berater – Steuerberater / Unternehmensberater, der diesen Nutzen dem Unternehmer vermittelt und dazu die geeignete Information bereitstellt ……
      Die Hausbank, die hier nur daran denkt “die Anforderungen des 18 KWG möglichst preiswert zu erfüllen …
      Das Softwarehaus, das wohl keinen Anlass sieht eine “alternde Information” zu modernisieren …
      Ja, “wer zu spät kommt den bestraft das Leben” (@Gorbatschow), oder? Mal sehen was sich da noch so “bewegt” …
      Helmut Steltemeier

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